Die Normalität des Unfassbaren

5. Bericht von Grenzenlos Kochen Hannover

Freitag, 20.11.2015, nahe Mytilini, Insel Lesbos:

In den letzten 24 Stunden sind fünf Boote mit ca. 150 Menschen an diesem Teil der Küste angekommen. Auch wenn sich im Laufe dieses Tages fast eine Art Routine beim Empfang der Boote eingestellt hat und zum Glück niemand zu Schaden gekommen ist, dürfen wir nicht vergessen:
Die Überfahrt ist selbst an dieser 15 km breiten Meerenge lebensgefährlich. Unzählige Menschen, insbesondere Minderjährige ertrinken hier. Ab Sonntag wird auch hier schlechtes Wetter erwartet, Sturm und Regen werden zu unruhigen Verhältnissen auf See führen. Das Makabre daran: Dann werden viele Menschen die Überfahrt wagen, die sie sich bisher nicht leisten konnten, denn: Umso gefährlicher die Überfahrt, desto niedriger ist auch der Preis dafür.

Wir kochen weiterhin für alle Menschen, ohne dafür Geld zu verlangen.
Wir fragen nicht nach der Nationalität, wenn eine Person sagt, dass sie hungrig ist.
Wir fragen nicht nach dem Einkommen der Insassen, wenn ein Boot schiffbrüchig ist.
Wir werden weiterhin die Menschen auf der Flucht unterstützen; auf der Flucht vor Konflikten, von denen wir profitieren. Denn wir sind nicht Europa, wir sind nicht Deutschland, uns interessieren Menschen, keine Nationen.

All die Toten, die das Mittelmeer fordert, all die Menschen, die hungrig, krank und frierend auf der Balkanroute unterwegs sind, all das wäre nicht notwendig. Es gilt die Verantwortlichen dafür zu benennen. Wir fordern:
Ferries, not Frontex! Freedom of movement is everybodys right!

Fotos: Ⓒ Axel Javier Sulzbacher