Nach der Nacht – Unruhen in Indomeni II.

9. Bericht von Grenzenlos Kochen Hannover: 27.11.15, griechisch-mazedonische Grenze, Idomeni

Spiegel-Artikel zum Geschehen: http://www.spiegel.de/politik/ausland/fluechtlinge-reissen-zaun-zwischen-griechenland-und-mazedonien-nieder-a-1064774.html

Die vergangene Nacht haben wir an der griechisch-mazedonischen Grenze nahe der Stadt Idomeni verbracht und versucht, die Leute so gut wie möglich zu unterstützen. Die Lage ist schlimm:
Etwa 2000 Menschen hängen bislang hier am Grenzübergang fest, manche schon seit über einer Woche.
Die Unterbringungsbedingungen sind sehr schlecht und es hat viel geregnet während der letzten Tage. Es gibt kaum Schlafmöglickeiten und die Menschen liegen unter Planen im Schlamm.

Für alle Menschen aus anderen Ländern als Syrien, Afghanistan und dem Irak geht es ab hier nicht weiter. Viele Leute kommen aus Somalia, Marokko, Palästina, Bangladesch oder Pakistan. Sie werden von den Grenzsoldaten nicht weiter gelassen.

Was uns besonders bewegt ist, dass wir hier viele Menschen wieder treffen, die wir in Lesbos schon kennen gelernt haben und die nun hier feststecken. Leute, denen wir aus den Booten geholfen haben, sind nun hier ohne Zukunft!

Seit etwa einer Woche formiert sich Protest: Menschen aus dem Iran beispielsweise haben sich die Münder zugenäht, andere befinden sich im Hungerstreik.

Nun wird der Protest immer entschlossener! Gestern wurde versucht, eine Grenzöffnung zu erzwingen: 2000 Menschen gingen gemeinsam mit Rufen wie „all together“ und „open border“ friedlich auf die Grenze zu. Einige versuchten, den Natozaun zu überqueren, wurden aber wieder zurück gedrängt. An anderer Stelle wurde der Zaun gar komplett niedergerissen.
Das Militär stellte sich mit Maschinenpistolen den Refugees gegenüber. Vereinzelt flogen Steine, was jedoch durch andere Refugees sofort unterbunden wurde.

Wir haben die Nacht damit verbracht, Suppe zu verteilen und trockene Schlafplätze für die Menschen zu suchen. Dabei haben wir die Entschlossenheit der Leute sehr stark gespürt: Ihre Flucht ist hier ganz sicher nicht vorbei.

Fotos: Ⓒ Nathalie Bertrams
www.crossingborders.info